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 Verein zur Förderung des Streckensegelfluges. 

Ein Flachlandflieger in den Alpen "oder" unser Duo in Gap 2.0

Nachdem Herry mich letztes Jahr zum Lehrgang in Aalen quasi "entführt" hat und dort auch schon für das Fliegen in Gap begeisterte, war es nun dieses Frühjahr so weit.

Ich wollte die Strecke nicht am Stück fahren. So bot es sich an, die Aero zu besuchen und danach in der Schweiz eine Zwischenübernachtung einzulegen. Herry und Burghard schipperten den Duo Sonntag vor Ostern gen Süden und ich flanierte über die Schweiz und Italien nach Gap.

Nach der ersten "erweiterten" Platzrunde Montags, durfte ich am nächsten Tag nochmal mit Burghard los. Und was soll ich sagen. Ein Traum ging für mich in Erfüllung. Nicht einmal ein Jahr habe ich jetzt meinen Schein und sitze ich einem solch tollen Flieger und fliege über die südfranzösischen, schneebedeckten Alpen. Einfach Grandios.

Nach einem recht entspannten Schlepp haben wir am Maloup ausgeklinkt und hatten etwas zu kämpfen, um entsprechende Höhe für einen Abflug Richtung "Parcour" zu machen. Es war etwas abgeschirmt und wir parkten quasi erstmal dort. Nach dann doch rascher Auflösung der Abschirmung ging es dann Richtung Osten zur Dormuise, wo uns Steigwerte mit über 4m/s integriert erwarteten und uns so schnell in einem band zwischen 3000 und 3500 AMSL fliegen ließen. Weiter ging es dann über Barcellonette-Tal nach Norden, am Grand Berard vorbei, Richtung italienische Grenze und einem wunderbaren Blick Richtung in Italien. Richtung Norden war gut zu sehen, dass die Wolkenbasis angestiegen war und so flogen auch dorthin und hatten in 4000 Meter AMSL über schneebedeckten Berggipfeln in kristallklarer Luft einen Blick bis zum Mont Blanc (da will ich auch mal noch hin - aber ein andermal). Richtung Westen ging es dann zurück Richtung Gap, am Guillaume, Piolit und den Südausläufern der Ecrins vorbei zum Pic de Bure, den wir über Gipfelhöhe erreichten. Von dort zurück Richtung Platz landeten wir nach etwas mehr als dreieinhalb Stunden und im Grunde hatte ich heute schon erlebt, weshalb ich hierher gekommen bin. Überwältigt von dieser neuen Perspektive auf eine grandiose Bergwelt und innerlich geflasht, wurde der Tag bei Rotwein und tollen Gesprächen beendet - und ja --- Einschlafen war an diesem Abend nicht ganz so einfach....

Am Folgetag waren dann Burghard und Herry in der Luft und ich machte eine kleine Reise Richtung Serres (Sauerstoffflasche auffüllen) und wieder zurück.

Am Donnerstag ging es dann mit Herry in die Lüfte. Blauthermik und Hangwind sollten den Tag bestimmen. Wir ließen uns wieder zum Maloup schleppen und - na ja - wären dort zweimal beinah abgesoffen, hätten wir keinen Motor gehabt. Aber dafür ist er ja da. Nach der zweiten Motorrunde geht es aber besser, aber es ist schon auffällig, dass sich an diesem Tag viele Flugzeuge in wenigen Bärten am Maloup tummeln. Für meine Verhältnisse fast etwas zu belebt - aber ok. Wir arbeiten uns einmal auf knapp 2500 Meter und queren da Tal, passieren den kleinen und großen Ceüse, haben eine wunderbare Sicht auf den Pic de Bure und belassen es dann aber auch dabei und gleiten gemütlich nach Hause zurück.

Der Freitag wird, weil ebenfalls blau, zum Wandertag erklärt und wir bestiegen zu Fuß den Gipfel des kleinen Ceüse. Die Aussicht ist auch dort einfach überwältigend, allerdings muss ich Burghard und Herry kurz vor dem Gipfel ziehen lassen, da mir meine Höhenangst so zu schaffen macht, dass ich langsam und in Ruhe den Rückweg in Angriff nehme.

Am Samstag kommt dann etwas stärkerer Wind auf. Burghard und ich versuchen in die Welle zu kommen - es gelingt uns aber an diesem Tag nicht. Dafür ist schneller Hangflug (mit fast 200 km/h) dran und wir müssen die Klappen ziehen, um überhaupt runter zu kommen. Abend kommen Andrea und Frank an.

Der Sonntag wird der letzte Tag, an dem ich fliege und es wird der für mich unbeschreiblichste Tag des Aufenthalts. Im morgendlichen Briefing ist von Wolkenthermik, Wind über 30 Knoten und Welle die Rede. Herry hat es nicht eilig. Es ja auch wieder blau. Als wir dann am Start stehen geht es wie gewohnt Richtung Maloup. Eigentlich wollten wir uns höher schleppen lassen als letztes Mal, aber Herry animiert mich früher zum Ausklinken und, was soll ich sagen, es sah zunächst nach einem Dejavu der Vortage am Maloup aus. Aber das Kämpfen soll an diesem Tag noch belohnt werden. Im zweiten Versuch steigen wir im Rotor am Pelleautier und steigen in die Welle ein. Es wird leise - außen und auch in mir drinnen. Schweröl scheint in das Vario gegossen zu sein, so träge reagiert es. Bei etwa 2m/s bleibt es stehen, wie mit Sekundenkleber festgeklebt und wir steigen und steigen und steigen. Auf etwa 4300 Meter fliegen wir Richtung Pic de Bure vor in die Primärwelle, in der es weiter bis auf 5250 Meter AMSL geht. Ich höre fast nur noch die Luftstöße der Sauerstoffanlage und genieße die Schönheit meines neuen Hobbies, den Blick über die Berge und Wolken, blicke in die Weite und fühle, wie ruhig ich werde, wie klein ich mich fühle und wie dankbar ich bin, dass das Leben mich zu diesem Sport geführt hat.

Wir haben noch einen wunderbaren Flug an de Ecrins vorbei, über den Lac de Serre-Poncon und wieder am Maloup vorbei, ehe wir nach der Methode "Burghard" (baue die Höhe einfach schon früh im Gegenanflug mit den Klappen ab) landen. Etappenziel zwei habe ich erreicht. Ich war über den Wolken. Den Anderen ist sicher aufgefallen, dass ich in einer etwas ungewohnten Sprachlosigkeit verharre, aber das Erlebte muss ja auch erstmal verdaut werden.

In der Folge des Aufenhalts haben Frank und Burghard auch noch einen wunderbaren Wellenflug und Burghard und Herry einen ebenso schönen Streckenflug in den Südausläufern der französichen Alpen. So hat denke ich Jeder von uns seine ganz persönlichen und schönen Momente und Erlebnisse, die er aus Gap mitnimmt.

Ich brauche, glaube ich, nur kurz zu erwähnen, dass die kulinarische Versorgung durch Burghard und Herry auf 8-Sterne-Niveau anzusiedeln ist und wir natürlich Abends bei ausgiebigen Fliegerlatein auch dem französichen Rotwein ausreichend zugetan waren.

Ich ganz persönlich möchte mich bei Burghard und Herry für die tollen Flugerlebnisse bedanken und insbesondere bei Herry, dass er mich nach Aalen und auch nach Gap "entführt" hat. Ich bin sehr gerne gefolgt.

Wer noch etwas mehr lesen möchte, findet auf segelflugblog.sottung.de weiteres Material.

Jürgen Sottung

 

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